Die Eiche - Stille Kraft
Nach dem Druidenkalender Baum des Monats vom 10. Juni bis 7. Juli
Die Eiche ist unser charakteristischer Baum – ein Symbol für Stärke, Weisheit und Beständigkeit. Als „König der Bäume“ bekannt, lädt sie uns dazu ein, unsere eigene Souveränität zu entdecken!
Beschreibung
Weltweit gibt es rund 220 Eichenarten, von denen 27 in Europa heimisch sind. In Frankreich sind die Traubeneiche, die Stieleiche und die Flaumeiche die drei wichtigsten Arten; gemeinsam bedecken sie etwa ein Drittel der Waldfläche des Landes. Richtung Süden trifft man zudem auf Flaumeichen, Steineichen und Korkeichen. Auch die amerikanische Roteiche wird in Frankreich häufig gepflanzt. Manche Eichen können über 1.000 Jahre alt werden; das älteste Exemplar Frankreichs steht im Département Seine-et-Marne und weist einen Durchmesser von 15 Metern sowie eine Höhe von 30 bis 40 Metern auf! Die Stieleiche – auch als *Quercus robur* bekannt – zeichnet sich durch lange Stiele aus, an denen die Eicheln sitzen. Die Blätter der Stieleiche weisen an der Basis kleine, öhrchenartige Lappen auf. Sie sind sommergrün, wechselständig angeordnet und wachsen in kleinen Büscheln. Ihre größte Breite erreichen sie meist im oberen Drittel der strukturierten, welligen Blattspreite. Die Blüten sind klein und unscheinbar; sie erscheinen im April gleichzeitig mit den Blättern. Die männlichen Blüten hängen in kätzchenartigen Büscheln herab, während die weiblichen einzeln an kleinen, aufrechten Ähren sitzen. Sie tragen sechs bis acht Staubblätter. Die ältesten Eichen sind majestätische, mächtige Riesen mit knorrigen Ästen und tiefen Wurzeln. Die Rinde ist sehr grob, und die Eicheln – eingebettet in einen schuppigen Becher – sind reich an Gerbstoffen. Ihre Wurzeln reichen fast so tief in die Erde, wie sich ihre Äste in den Himmel erstrecken – was wohl auch der Grund dafür ist, dass sie häufig vom Blitz getroffen wird. Sie passt sich gut an alle Bodenarten an.
In der keltischen Tradition
Manche führen das Wort „Druide“ auf *duir* zurück, was so viel wie „Mann der Eiche“ bedeutet. Für Römer, Kelten, Germanen und sibirische Völker ist sie der heiligste aller Bäume – die Säule des Himmels, die Achse der Welt. Sie steht für Stärke, Stabilität und Macht. Sie gilt als Sinnbild für Langlebigkeit und Schutz. Als König des Waldes und als höchste Gottheit verkörpert sie die Kontinuität der Tradition. Sie besitzt die Fähigkeit, göttliche Erleuchtung zu empfangen. Sie dient als Verbindung zur Anderswelt und als Botin der Götter. Sie ist ein souveräner Baum, dem die Macht der Gerechtigkeit und der Autorität anvertraut ist. Die Kelten verehrten die Eiche und betrachteten sie als gleichwertig mit einem Tempel. Da sie glaubten, diese Bäume seien von Nymphen bewohnt, verhängten sie strenge Strafen für jeden, der sie unnötigerweise fällte. Das Fällen war nur im Rahmen eines heiligen Rituals gestattet, das es den Nymphen ermöglichte, sich aus dem Baum zurückzuziehen, bevor dieser zu Boden fiel. Die Eiche hilft uns, uns zu erden und alles, was uns belastet, an die Erde zurückzugeben; sie zieht uns in ihre Tiefe und verleiht uns ein Gefühl stiller Stärke und Kraft.
Anekdoten
Die Menschen haben diesen Baum im Laufe der Geschichte stets verehrt. Die Griechen nannten ihn schlicht „den Baum“ und sahen in ihm den Urtyp aller anderen Bäume; das griechische Wort *drys* lieferte den Ursprung für die Bezeichnung der Baumnymphen: Dryaden. Auch das englische Wort „door“ (Tür) wird auf diese gälische Wurzel zurückgeführt, wodurch die Eiche mit dem Konzept des Durchgangs oder Tores verknüpft wird. Die Traubeneiche ist auch unter dem Namen *chêne rouvre* bekannt; dieser Begriff bedeutete ursprünglich „rötlich“ (*roux*), wurde im Laufe der Zeit jedoch mit der Eigenschaft der „Robustheit“ assoziiert. Sie strahlt die Kraft eines Patriarchen aus – genau das macht sie so beeindruckend und gebietet Respekt. Schließlich heißt es nicht umsonst: „stark wie eine Eiche“. Für die Römer war der Eichenkranz die höchste militärische Auszeichnung. In Anlehnung an diesen Siegeskranz trugen französische Generäle lange Zeit einen Kranz aus goldenen Eichenblättern, der auf ihre Dienstmützen (Képis) gestickt war. Robin Hood schlug sein Lager unter einer Eiche auf. Im Wald von Fougères im Département Ille-et-Vilaine gibt es einen Ort namens „Chenedet“, was so viel wie „gelehrte Eiche“ bedeutet. Im 12. Jahrhundert ließen sich Einsiedlermönche in diesem Waldgebiet nieder, um Ruhe und Inspiration zu finden. Ein gewisser Heiliger Bernhard bezog Quartier in einer hohlen Eiche und empfing dort über ein Jahr lang Unterweisungen – daher der Name „gelehrte Eiche“.
Rezept: Apéritif - Wein
Lassen Sie eine Handvoll zerstoßener Eicheln eine Woche lang in einem Liter Weißwein ziehen. Seien Sie die Mischung ab und süßen Sie sie mit Honig. Trinken Sie den Wein als Aperitif bei Leberbeschwerden oder verwenden Sie ihn zum Gurgeln bei Mandelentzündungen und Halsschmerzen.
Garten und Umwelt
Wo die Eiche wächst, herrscht stets Licht, sodass Ranken, Moose und andere Sträucher unter ihrem Blätterdach gedeihen können. Die Eiche ist ein gastlicher Baum.
Glauben und Bräuche
Auf dem Land hieß es, man könne den Auswirkungen des Alterns entgegenwirken und an Kraft gewinnen, wenn man eine Eichel in der Tasche trug. Eichen, die aus zwei alten Stämmen zusammengewachsen sind, symbolisieren eine unauflösliche Verbindung – ganz ähnlich den Schwüren, die man vor ihnen ablegte. Folglich fanden viele Hochzeiten unter solchen Eichen statt. Die „Eichenhochzeit“ markiert den 80. Hochzeitstag! Bei Nantes stand einst eine mächtige Eiche, unter der sich Streitparteien bei starkem Wind niederließen; in Anwesenheit von Zeugen gewann jene Person den Rechtsstreit, neben der das erste Blatt zu Boden fiel. Auch der heilige Ludwig sprach unter Eichen Recht. Wann immer eine wichtige Entscheidung anstand oder ein ernstes Problem gelöst werden musste, versammelten sich die Menschen unter den Eichen. Zur Zeit der Kelten und Römer signalisierte das Tragen einer Eichel die Zugehörigkeit zu den Anhängern der Götter Jupiter, Zeus oder Odin.
In der Magie wird die Eiche für Schutz, Gesundheit, Geld, Heilung, Fruchtbarkeit, Glück und mehr genutzt. Eicheln am Fenster schützen vor Blitzschlag, während ein Stück Eichenholz böse Absichten abwehrt. Pflanzt man in einer Neumondnacht eine Eichel, so erhält man kurz darauf Geld… Ein Feuer aus Eichenholz vertreibt Krankheiten aus dem Haus.
Holz
Eichenholz ist ein edles Holz, das für die Konstruktion von Kathedralen und Burgen verwendet wurde. Es ist hart und langlebig und eignet sich hervorragend als Brennholz sowie für den gehobenen Möbelbau, die Fassbinderei und Parkettböden. Zudem wurde es für den Bau von Schiffen und Fässern für edle Weine genutzt. Die Eiche ist ein königlicher Baum. Ihre pulverisierte Rinde wird seit Langem zum Gerben von Häuten verwendet.
Kulinarische Verwendung
Eicheln aller Eichenarten – insbesondere die der Steineiche – lassen sich wie Esskastanien verzehren. Sie sind sehr nahrhaft, allerdings müssen die enthaltenen Gerbstoffe durch Kochen in mehrmals gewechseltem Wasser entfernt werden. Aus gerösteten Eicheln lässt sich ein Kaffeeersatz herstellen.
Signaturenlehre
Durch die Festigkeit ihres Holzes, ihre Langlebigkeit, ihr tiefreichendes Wurzelsystem und die Kraft, die sie ausstrahlt, zeigt die Eiche ihre Fähigkeit, unsere Heilung zu unterstützen und uns bei Erschöpfung neue Energie zu spenden.
Medizinische Eigenschaften
Der ultimative Energiebaum! Wer müde oder niedergeschlagen ist oder sich in der Genesung befindet, dem sei ein Spaziergang im Eichenwald empfohlen. Das Sitzen unter einer Eiche schenkt neue Energie und Kraft; es fördert die Genesung und die Wiederherstellung der Gesundheit.
Gegenanzeigen
Keine bekannten Gegenanzeigen, abgesehen von der später erwähnten Magenreizung.
Verwendete Pflanzenteile
Alle Teile der Eiche werden verwendet, sogar die Galläpfel. Die Blätter eignen sich für Aufgüsse zur inneren Anwendung, die Rinde für Abkochungen zur äußeren Anwendung.
Innere Anwendung
Die innere Anwendung von Eiche kann aufgrund des hohen Gerbstoffgehalts zu Magenreizungen führen. Sie sollte mit anderen Kräutern gemischt und nicht über längere Zeiträume hinweg angewendet werden.
Blattaufguss
Eine Handvoll Blätter pro Liter Wasser. Bei chronischen Leberbeschwerden, chronischer Darmentzündung (Enteritis), Durchfall, übermäßig starker oder langanhaltender Menstruation, Blutungen, Gebärmutterentzündung (Metritis), Ausfluss, allgemeiner Schwäche oder Magenschmerzen (Gastralgie) täglich drei Tassen trinken.
Ein Aufguss aus gemahlenen Eicheln hilft bei Magenschmerzen und Magenatonie (30 Gramm pro Liter). Der aus der frischen Rinde junger Zweige und Eicheln gewonnene Urtinktur wird nachgesagt, eine Abneigung gegen Alkohol hervorzurufen. Mit Schokolade vermischtes, geröstetes Eichelpulver ist ein hervorragendes Mittel gegen Durchfall.
Gemmotherapie
In der Gemmotherapie wirkt die Eiche als allgemeines Stärkungsmittel für den Körper. Das Knospenmazerat wird bei Frigidität, Alterserscheinungen beim Mann, sexueller Schwäche (Asthenie), Müdigkeit und Erschöpfung empfohlen. Es stimuliert die Nebennierenrinde und gilt als Mittel mit „cortisonähnlicher“ Wirkung. Es ist äußerst wirksam gegen Durchfall.
Äusserliche Anwendung
Ein Absud der Rinde (30 bis 60 Gramm pro Liter) wird bei folgenden Beschwerden eingesetzt: Metrorrhagie (azyklische, unregelmäßige und oft starke Blutung aus der Gebärmutter), Gebärmuttermyome, Leukorrhoe, Hämorrhoiden, hartnäckige Geschwüre, Halsschmerzen, Hautrisse, chronische Ekzeme, Verbrennungen, Erfrierungen, Schweißfüße, Gingivitis (Zahnfleischentzündungen), Stomatitis, Dermatosen und Analfissuren.
Mit Honig vermischtes Rindenpulver kann zur Blutstillung eingesetzt werden.
Historisch gesehen wurde die Rinde als Gegenmittel bei Schlangenbissen und Wunden durch vergiftete Pfeile eingesetzt.
Ein Badezusatz aus der Rindenabkochung wirkt wohltuend bei Menschen mit lymphatischer Konstitution oder allgemeiner Schwäche und hilft bei der Behandlung von Pilzinfektionen und Ekzemen. Vollbäder sollten jedoch bei ausgedehnten Ekzemen, tiefen Wunden oder Herzinsuffizienz vermieden werden. Das Mittel kräftigt die Kopfhaut und kann als Lotion bei fettiger, zu Akne neigender Haut dienen.
Räuchern
Die pulverisierte Rinde wurde als Räucherwerk verwendet, um die Götter während des Sonnenwendfestes im Sommer zu ehren – zu jener Zeit, da die Sonne ihren Zenit erreicht.
In der rituellen Magie wird Eichenholz als Symbol für Macht, Stärke, Ausdauer und Lebenskraft verbrannt.
Praktische Übung
Wenn Sie einen Stammbaum erstellen oder sich mit der Psychogenealogie befassen möchten, ist die Eiche der ideale Begleiter für diesen Weg. Da sie unmittelbar mit zeitloser Weisheit sowie der Geschichte der Welt und unserer Vorfahren verbunden ist, dient sie als Tor zu umfassendem Wissen.
Der Schlüssel liegt darin, Ihr Herz zu öffnen und die Liebe, die Sie in dieses Vorhaben einbringen! Auch wenn es keine Garantien gibt, wird Ihnen die Eiche ihr ganzes Wohlwollen entgegenbringen.
Verbinden Sie sich mit ihr, bitten Sie sie um Beistand, stellen Sie sich Ihre Familie als prächtige Eiche vor und lassen Sie sich an ihren Wurzeln entlanggleiten…
Bildquelle: Pixabay
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