Kater schwarzweiß

Nitrat - Das saubere Wort für Gülle

Wenn auf dem freien Land das Aroma von Dung in der Luft liegt, rümpft man sehr häufig die Nase und spricht in der Regel von Landluft. Diese Landluft wird von den Landwirten -wahrscheinlich unfreiwillig – produziert,  indem sie einen natürlich anfallenden Wirtschaftsdünger auf ihren Wiesen ausbringen. Die Gülle1), wie dieser Dünger auch genannt wird, besteht hauptsächlich aus Abfallstoffen der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung wie Urin und Kot.

Auf einer solch gedüngten Wiese geht unser schwarzweißer Kater regelmäßig auf Mäusejagd. Bei Erfolg trägt er mit stolzgeschwellter Brust seine Maus dann auf unser Grundstück, manchmal aber auch in den Keller, um sie dort zu verspeisen. Vor nicht allzu langer Zeit ging jedoch bei einem dieser Jagdausflüge etwas schief. Er brachte nämlich nicht nur eine tote Maus mit, sondern er vermittelte auch sehr stark den Eindruck, als hätte er in der frisch ausgebrachten Gülle unseres benachbarten Landwirtes gebadet. Jetzt war der Kater auch nicht mehr schwarzweiß, sondern schwarzbraun und wir hatten die Landluft auch noch im Haus. Nachdem er sich auch nicht kampflos abwaschen lässt, musste er sich diese braune Brühe selbst abschlecken. Zur Unterstützung seiner Putzarbeiten boten wir ihm reines Trinkwasser an, welches er jedoch verschmähte. Nachdem er zu Hause nochmal etwas gefressen hatte, verließ er das Haus und kam etwa 2 Stunden später wieder zurück. Dieses Mal aber nicht mehr schwarzbraun sondern wieder schwarzweiß. Allerdings hatte er noch immer einen guten Teil Dung-Aroma im Fell. Der arme Kerl tat uns sehr leid, denn bei der Vorstellung, was sein Verdauungssystem mit diesem Fäkalien-Dreck alles wegstecken muss, kann einem schon mulmig werden.

Aber unser Kater ist ja nicht das einzige Opfer dieser Gülle. Dieser Dünger sickert nämlich zunächst ins Grundwasser und – nachdem alles mit allem verbunden ist und Grundwasser auch fließt – wird uns über kurz oder lang wieder als Trinkwasser zur Verfügung gestellt. Allerdings kommt es nicht – zumindest nicht sichtbar – als Gülle aus dem Wasserhahn, sondern als Nitrat. Bereits 2001 wurde in einer Studie der Universität von Iowa2) mit ungefähr 16500 Frauen im Alter zwischen 55 und 69 Jahren festgestellt, dass Nitrat bereits ab 2,46 Milligramm pro Liter das Krebsrisiko um das 2,83fache ansteigen lässt3).

Dabei ist diese Stickstoffverbindung für den Menschen eigentlich nicht gesundheitsschädlich, jedoch wird Nitrat in unserem Körper unter anderem in Nitrit umgewandelt. Eine der bekanntesten und ernst zu nehmenden Wirkungen des Nitrits ist die Auslösung der Säuglingsblausucht (Methämoglobinämie). Diese Erkrankung hat ihren Namen von der sich bei einer Vergiftung einstellenden bläulichen Verfärbung der Lippen und Haut des Säuglings.

Dieser Effekt rührt daher, dass das Nitrit den roten Blutfarbstoff (das Hämoglobin) blockieren kann. Hämoglobin transportiert normalerweise den über die Lunge eingeatmeten Sauerstoff zu den Zellen. Wenn Nitrit das Hämoglobin allerdings blockiert hat, droht dem Säugling akute Erstickungsgefahr.

Warum sind nur Säuglinge betroffen?

Diese Problematik betrifft Säuglinge bis etwa zum sechsten Lebensmonat. Säuglinge sind besonders gefährdet, da bei ihnen das Schutzsystem, das den blockierten Blutfarbstoff wieder in die sauerstofftransportierende Form umwandeln kann, noch nicht vollständig ausgebildet ist.
Außerdem besitzen Säuglinge in den ersten Lebensmonaten noch sehr wenig Magensäure. Dieser verhindert zum Beispiel bei einer Darmerkrankung oder bei keimhaltiger Nahrung eine Besiedelung des Dünndarms mit Bakterien, welche Nitrat zu Nitrit umwandeln können.

Was erlaubt ist

Gemäß unserer Trinkwasserverordnung sind 50 Milligramm pro Liter erlaubt. Diese Menge entspricht etwas mehr als dem Fassungsvermögen eines Fingerhuts. Wie Gülle aussieht, kann sich sicher jeder vorstellen – aber nun stellen Sie sich einmal vor, Sie würden bei einem angenommenen Verbrauch von nur 2 Litern täglich einen solch gefüllten Fingerhut in Ihrem täglichen bestgeprüften Lebensmittel trinken – und Sie könnten das auch noch sehen! Bei meinem zuletzt durchgeführten Trinkwassertest in der erweiterten Nachbarschaft kam ich vor einigen Tagen auf eine Nitratmenge von 5,6 Milligramm pro Liter. Ist also alles im grünen Bereich? Offiziell schon, und die Werte schwanken ja auch von Zeit zu Zeit. Oft auch gegen Null. Gibt es einem aber zu denken, dass nach der US-amerikanischen Trinkwasserverordnung National Primary Drinking Water Regulations vom Mai 20094) dort gerade einmal 10 Milligramm pro Liter erlaubt sind? Halten wir Deutschen wirklich so viel mehr aus als die Amerikaner?

Das Nitratproblem in Deutschland rührt nicht nur von der Gülle her

Bereits 2012 berichtet Zeit online5, dass auch Gärreste aus Biogasanlagen, welche auf den Äckern ausgebracht werden, zu diesem Nitratproblem beitragen.

Zu guter Letzt

In unserem Wasser befinden sich etwa 2000 Fremd- und Schadstoffe, welche von unseren Wasserwerken und Kläranlagen in hervorragender Arbeit, so gut es geht, ausgefiltert werden, sonst bekämen wir sicherlich vielerorts wirklich eine rostbraune Brühe zum Trinken. Einhundert Prozent gibt es aber nicht, zumal wir nicht nur ein Klimaproblem, sondern zunehmend auch ein Umweltverschmutzungsproblem bekommen.

 

Politisch korrekt – oder doch lieber realistisch?

…und wenn Sie dann noch Fragen haben, bieten wir Ihnen gerne eine Lösung an.

Quellen und weiterführende Informationen

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